Vom Meister der Geschichten persönlich

„Stadt der Diebe“ von David Benioff [Audiobook]

Wer ist er, dieser Meister? Hmmm, da scheiden sich bestimmt die Geister und ein jeder Buchwurm zählt da jemanden anderen an erster Stelle auf.

Mich begeistert seit einiger Zeit David Benioff. Und das hier vorgestellte Hörbuch ist von ihm. Es handelt sich um die Stadt der Diebe.

Ganz viel Seele

Bei der Einleitung des Hörbuchs – Zitat:

„Mein Großvater, der Messerstecher, tötete zwei Deutsche, bevor er 18 war“ Zitatende.

…und dem Namen der Protagonisten wird man stutzig. Warum heisst der Erzähler Lew Benioff?

Stadt der Diebe von David Benioff

Cover Hörbuch – Copyright Random House

Aus Interviews mit David Benioff (z.B. hier im Deutschlandfunk) wird aber klar, dass es sich nur um ein Stilmittel handelt und nicht um eine authentische eigene Herkunftsgeschichte. Das besagte Mittel verfehlt nicht seinen Zwecks. Die Anbindung an den Erzähler ist sofort hergestellt.
Schön ist auch, dass man nicht erst ein Drittel des Werks lesen muss, um in die eigentlich relevanten Ereignisse einzutauchen.

Russland, eiskalter Januar 1942, belagertes Leningrad

Weil er während der nächtlichen Ausgangssperre beim vermeitlichem Leichenfleddern/ Plündern erwischt wurde, wird der 17-jährige Lew sofort inhaftiert – es interessiert niemanden, dass er nur Hunger hatte und auf Plündern steht Erschiessung. In einer dunklen Gefängniszelle harrt er seines Schicksals , erlebt aber eine Überraschung. Er wird nicht aufs Schafott, sondern zusammen mit einem Mithäftling Kolja vor den Geheimdienstchef der Stadt geführt. Der gibt den beiden eine „Chance“ auf Überleben, wenn sie eine unlösbare Aufgabe lösen: Im Tausch gegen ihre Freilassung sollen sie innerhalb von sechs Tagen im ausgehungerten Leningrad zwölf Eier für die Hochzeitstorte seiner Tochter auftreiben.
Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Der schüchterne Lew klemmt sich an den Deserteur Kolja – einen gewitzten, charmanten Frauenhelden – und zusammen entwickeln sie eine Idee nach der anderen, wie man im hungernden Leningrad Eier finden könne.

Neben zahlreichen Nebenhandlungssträngen, die aus diesen Ideen entspringen, arbeitet sich in den Vordergrund der Geschichte ein aberwitziger Plan: Kolja will sich mit Lew zu einer Geflügelfarm jenseits der feindlichen deutschen Linien durchschlagen. Ein selbstmörderisches Unterfangen …

Was macht denn nun den Meister aus?

Für mich macht die natürliche, unaufgesetzte Art Charaktere zu zeichnen, sie durch ihre Handlungen und authentische Dialoge zum Leben zu erwecken, ein seltenes Talent bei Literaten aus. Dieses hat David Benioff scheinbar mit Löffeln gefressen.
Er braucht keine unnötigen Erläuterungen, jede Beschreibung der Umgebung und der Handelnden ist so prägnant und spricht für sich, dass spätestens nach der Hälfte jeder Leser/jede Leserin einen Lieblingscharakter hat, mit ihm mitfiebert, mitlacht und weint. Ich glaube, dass es die Menschen sind, die auch im Alltag sehr achtsam leben und ganz genau auf die Details achten – was in unserer Umgebung unsere Emotionen in welcher Art und Weise lenkt – die die besten Geschichten kreiren ohne unnötig zu überladen oder mit Nichtigkeiten zu langweilen. David Benioff zählt zu ihnen.

Trotz der Natürlichkeit der beiden Hauptprotagonisten springt die Grausamkeit des Krieges den Leser/Leserin immerwieder „von der Seite“ an und bringt uns als Leser auf den Boden der Tatsachen. Dass „wir“ nicht in einem einfachen Beziehungsproblem stecken in dem Buch. „Wir“ sind im Krieg. Und es geht ums nackte Überleben.

Schließlich erschafft David Benioff ein echtes klassisches Abenteuer. Die liebgewonnen Helden gehen durch eine Gefahr nach der nächsten, Co-Charaktere gesellen sich dazu, trennen sich wieder oder sterben eines grausamen Todes. Die Spannungskurve ist elegant und unnachgiebig. Auf den Ausgang des Abenteuers möchte ich keinerlei Hinweise geben… es ist zu toll und ich will keinesfalls zuviel sagen.

Woher kenne ich den Namen?

Jaaa, Benioff wird bei dem ein oder anderen sofort klingeln im Ohr, da Herr Benioff nicht nur auf Grund der Stadt der Diebe internationale Bekanntheit erreicht hat. Stadt der Diebe ist übrigens immerhin in 27 Sprachen zu haben.

Weltberühmt wurde David Benioff im Rahmen der Fantasyfernsehserie Game of Thrones! Gemeinsam mit D. B. Weiss adaptierte er dabei die Saga Das Lied von Eis und Feuer von George R. R. Martin als Cowriter und Producer in eine serienkonforme Fassung.

Dies ist nicht sein einziges Projekt von Buch zu Film… sein eigenes Buch 25 Stunden konnte er in einen ebenso erfolgreichen Film umsetzen. Hier mehr Infos dazu.

Interessiert?

Das Hörbuch ist bei Random House Audio erschienen. Über deren Seite könnt Ihr selbst aussuchen, wo und ob Ihr online kaufen möchtet.

 

Ein Gedanke zu “Vom Meister der Geschichten persönlich

  1. Pingback: Gib mir mehr | nichtohnemeinbuch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s