Wie man ein Scheidungstrauma überwindet

Literatur on Screen!

Mein letzter Home-Movie war eine echte Überraschung.
Angesehen habe ich mir: „Feuchtgebiete“ nach dem Bestsellerroman von Charlotte Roche – den ich übrigens NICHT GELESEN HABE! So jetzt ist es raus.
Regie geführt hat David F. Wnendt. Feuchtgebiete DVD

Alter Hut oder Evergreen?

In den Kinos war der Film eigentlich schon 2013 nachdem der Roman 2008 die literarischen Empfehlungslisten hochgeklettert ist und für sehr aufgeregte Diskussion gesorgt hatte, ob denn die mehr als ausführlich erläuterten Sexualerlebnisse und Körpererfahrungen der Hauptfigur Helen Memel als wertvolle Literatur zu bezeichnen sind. Die Autorin Charlotte Roche konnte sich zumindest darüber freuen in aller Munde zu sein.

Umsetzung

Von der Verfilmung hatte ich mir – oh, Unwissende ich – eher eine etwas platte Teenagerkomödie erwartet. Das Ergebnis ist weit davon entfernt. Die Einleitung von Helens Thematik – wie kann ich möglichst viel, möglichst provokanten und riskanten Sex praktizieren und mich nebenher mit der Wiedervereinigung meiner geschiedenen Eltern befassen – ist durch clevere Schnitte und Rückblicke gut gelöst.

Die Vorstellung aller relevanten Charaktere ist flott, unterhält und sorgt für den ein oder anderen intellektuellen Schmunzler.

Nach und nach wird dem Zuschauer doch ein wenig anders, die Hintergründe werden im positiven Sinne fragwürdiger und es wird klar, dass Helen doch mehr als nur etwas seltsam sein könnte. Das Mädchen scheint ein richtiges Paket mit sich mitzuschleppen. Ich gebe Euch gern eine kleine Vorschau: Was soll wohl bei einer ca. Achtjährigen kleben bleiben, wenn eine Mutter bei Springen vom Anbauvordach zuerst die Arme ausstreckt, dann die Tochter bewusst abstürzen lässt, um mit den Worten abzuschliessen: „Vertraue niemandem, auch nicht Deinen Eltern.“!

Der Zufall als Retter

Ein blöder Zufall sorgt für eine Ausbruchschance. Helen schneidet sich bei der Intimrasur in den After und endet mit einer entzündeten Analfissur im Krankenhaus. Sie nutzt nicht nur die Situation, um die Eltern zusammenzulocken. Zusätzlich gerät ein Pfleger in ihren Bann und stösst neue Gefühle und Prozesse in ihr an.
Diese werden im Film zwar nicht tiefgründig erörtert, werden aber deutlich genug dargestellt und Helens Entwicklung wird durch die Interaktionen der Beiden sowie weitere Rückblicke in die Familiengeschichte gut genug erklärt. Wie viel Erfolg sie bei der Familienrestaurierung und der eigenen Traumaheilung hat lasse ich – entgegen dem Artikeltitel – offen. Fies, fies. Ich möchte aber durchaus bestätigen, dass die ungewöhnliche Situation Potentiale birgt für Helen.

Abschliessende Worte

Den Film sollte sich trotz meiner positiven Wertung nur jemand ansehen, der erstens einen starken Magen hat und auch Ekelszenen nicht vorschnell aburteilt. Freunde des stillen, nachdenklichen Arthouse-Films sind hier falsch. Plumpe Lacher sind aber auch nicht zu erwarten. Eben eine Sache für sich.

Wenn Du Deine Magenstärke testen willst, findest Du einen Link zum Trailer hier.
Ich denke die potentiellen Kauflinks spare ich mir diesmal… entschiedet selbst, ob eine Ausleihe oder Kauf Euren nächsten DVD-Abend füllen soll 🙂
Infos zum Buch hier und zur Autorin hier sowie bereits oben im Text verlinkt.

Wissenswertes zum Regisseur David Wnendt lese gerne hier weiter. Er ist übrigens auch der Macher hinter dem unglaublich rührendem Drama „Kriegerin“ und der Verfilmung von „Er ist wieder da„. Letzterer Roman von Timur Vernes hielt sich auch ewig in den literarischen Bestsellerlisten und sorgte auch für die ein oder andere Kontroverse. In der Satire macht der mirakulös wiedergekehrte Hitler Karriere in den modernen Medien.

Bevor ich noch weiter aushole und von Pontius zu Pilatus schreibe, wünsche ich lieber eine gute Restwoche,

Eure Kasia

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