Born to run – Blick ins Extreme

Das höchste der Gefühle ist es, mehrere Leidenschaften zu verbinden. So ging es mir als ich anfing „Born to run – zum Laufen geboren“ von Ulfilas Meyer zu lesen. Ulfilas ist von Beruf Psychologe, Gestalttherapeut sowie Laufcoach und wagt einen Blick in die Gedankenwelt eines Extremläufers.

 

Born to run

Mit Extremläufer ist ein Mensch gemeint, der nicht einfach auf Marathons spezialisiert ist. No, sir. Hier sprechen wir von einem Wesen, das den Willen und körperliche Fitness aufgebracht hat, Läufe von 5.000 km zu bewältigen. Und das sozusagen AM STÜCK.

Ich konnte während der Lektüre schnell lernen, wie dieses „am Stück“ zu relativieren ist. Natürlich müssen solche Läufer auch bei Weltrekorden von mehreren Tausenden Kilometern ruhen und sich Kräfte sehr exakt einteilen. Diese Ruhezeiten müssen strategisch in die Laufplanung einbezogen werden. Zusätzlich muss der Läufer sich selbst so gut kennen bzw. spüren, dass er weiß, wieviel Schlaf er pro Tag benötigt und trotzdem diese unglaubliche Leistung bringen kann. Beispiele für die benannten Extremläufe sind hierbei ein 5.000 km Lauf wie der Self-Trancendence Race oder Wüstenläufe wie der 4-Desert-Race.

Konkreter zum Buch

Ulfilas ist selbst auch Läufer und setzt sich mit der Philosophie hinter dem Laufen stark auseinander. Um weitere Erkenntnisse zu ziehen, ist er auf einen Vorreiter der Extremläufer – Achim Heukemes – zugegangen und hat sich dessen Einstellung zum Laufen, seine Motivation und Willensquellen über Interviews und dieses Buch erarbeitet.

Achim Heukemes hatte Geschichte geschrieben durch seine Europadurchquerung von der nördlichsten bis zur südlichsten Spitze – was ebenso 5.000 km beträgt. Auch der Wüste hat er sich mehrfach gestellt so z.B. dem härtesten Lauf der Welt – den Badwater Ultramarathon durch das Death Valley in den Vereinigten Staaten.

Das Buch ist teilweise in Interviewform, teilweise als nacherzählter Text mit dazwischengeschobenen Kommentaren des Autors geschrieben. Die Struktur macht das Lesen einfach. Der Leser gewinnt zunächst einen Einblick in den beruflichen Werdegang von Achim Heukemes. Dann steigt er/sie nach und nach in eine Retrospektive auf die größten Lauferfolge ein sowie auf die Beleuchtung von Mißerfolgen.

Indem im Wechsel Achim selbst „zu Wort“ kommt und Ulfilas seine Gedanken bzw. Interpretationen einwirft, lässt sich die Entwicklung des Menschen Achim Heukemes gut verstehen. Der Leser lernt seine verschiedenen Persönlichkeitsseiten kennen. Den Pflichtbewussten wie den Wettkämpfer. Den Körperbewussten wie den Masochisten.

Auch die organisatorischen Herausforderungen und die Glücks- wie Pechsträhnen von solchen „Monsterläufen“  kann man durch Achims Erzählungen und die Einblendung von ehemaligen Zeitungsausschnitten verstehen lernen.

Besonders beeindruckt hat mich die Erzählung über das Scheitern am Death Valley Ultramarathon als auch wie Achim mit diesem Moment umgegangen ist.

Bescheidene Ergänzung

Spätestens an dieser Stelle sollte ich klarstellen, dass meine Lauferlebnisse von solchen Taten Äonen entfernt sind. Ich zähle mich zu den Hobbyläufern und würdige Giganten des menschlichen (Lauf-)Willens durch die Lektüre solcher Werke.

Bucheignung

Zusammenfassend möchte ich das Buch natürlich Laufbegeisterten ans Herz legen, aber auch Interessenten der menschlichen Psyche kommen halbwegs auf ihre Kosten, wenn auch sehr oberflächlich.

Manko?

Nun, ich empfand, dass sich einige Aspekte, wie und weshalb Achim Heukemes seine Läufe läuft wie er sie eben läuft, doch etwas zu viel wiederholt haben. Eine kurzweilige und motivierende Lektüre bleibt das Buch von Ulfilas Meyer trotz dieser kleinen Kritik.

Weitere Veröffentlichungen von Ulfilas Meyer findet Ihr hier. „Born to run“ hatte ich ehrlich gesagt in einem Buchsale erstanden, erhältlich ist es natürlich auch online. Erschienen war es im Rowohlt Taschenbuch Verlag.

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