Ich kam, verschlang & entspannte

Wie unschwer zu erkennen ist, bin ich auch auf LovelyBooks aktiv. Ein schöner Effekt der Aktivität dort ist, dass man sich hin und wieder um Bücher, die neu auf dem Markt sind und die von besonderem Interesse für einen selbst sind, bewerben kann. Gesagt, getan. Und gewonnen! Jo Nesbøs nigelnagelneuer Fall von Harry Hole unter dem Titel „Durst“ kam zu mir nach Hause geflattert.
Etwas vorwegnehmend kann ich schon mal sagen: Selten so schnell verschlungen!

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Originalbuchcover – Rechte Ullstein Verlag

Ich verspreche nicht zu spoilern und brenne schon darauf Euch von meinem Leseerlebnis zu erzählen…

The Playaz

Harry Hole ist eigentlich raus aus dem Spiel. In Frieden und Ruhe ist er angekommen, ebenso wie in seiner Rolle als Dozent an der Polizeihochschule und als Familienvater.

Stiefsohn Oleg hat nach seiner bewegten Vergangenheit die Entscheidung getroffen in Holes Fußstapfen zu treten und ist als Polizeianwärter auf der Hochschule. Holes ehemalige Kollegin Katrine Bratt konzentriert sich nach einer Trennung auf ihre Karriere und führt damit ganz nebenbei neue Charaktere ein. So auch Anders Wyller. Ein Überflieger in der Abteilung für Gewaltverbrechen, der gleich von Tag eins seine überdurchschnittliche Intelligenz und Kombinationsgabe unter Beweis stellen kann, denn die Abteilung wird mit einem grausigen Status quo konfrontiert.

Ein Killer scheint sein Unwesen auf besonders perfide Art und Weise zu treiben. Er nutzt die Online-Singleplattform Tinder bzw. hier zustande kommende Dates, um an seine Opfer zu kommen und auf eine ganz eigene Art ihr Blut zu genießen.
Einige alte Bekannte gesellen sich in die Mordkommission – Kriminaltechniker Björn, IT Spezialist Tord und auch eine unwillkommene Gestalt: Truls Berntsen. Seit je her von Mitmenschen verlacht, stets zum Mitläufertum verdammt und mit unsympathischen Eigenschaften gespickt.

Trotz der guten Aufstellung muss die Kommission schnell feststellen, dass ihr jegliche erfolgsversprechende Ansätze fehlen. Damit nicht genug, der Polizeipräsident Mikael Bellmann – Harrys ehemaliger vom ehrgeiz zerfressener Chef – steht kurz vor seinem Sprung in ein Ministerialamt und will Ergebnisse sehen. Bellmann ergreift daher auch die Initiative und setzt Harry Hole mit seinem Wissen über Olegs Drogenvergangenheit unter Druck. Er verspricht zu schweigen, wenn Harry in die Mordermittlungen einsteigt und sich eine kleine eigene Crew zusammenstellt, um mit seinen Methoden für einen Ermittlungserfolg zu sorgen.

Harry schnappt sich sogleich den vielversprechenden Anders Wyller, Björn und entscheidet sich, nach ersten Erkenntnissen zu der Blutfixierung des Täters, für einen neuen Psychologen – ja, Aune erhält zwar einen Auftritt, spiel aber eine Nebenrolle. Der neue Psychokenner ist Hallstein Smith, ein bislang eher verkannter Vertreter seiner Spezies, der sich auf vampiristisch tätige Mörder spezialisiert.

Und der Mörder macht keine Pausen. Es folgen weitere Morde, die Harry ohne Zweifel darstellen, dass der Täter ein alter Bekannter sein muss.

The Methods

Ich wurde nicht enttäuscht. Harry glänzt in seinem 11-ten Fall nicht nur durch die nötige Beobachtungsgabe und einen exzellenten Perspektivenwechsel. Vielmehr fällt er – nachvollziehbar für den Leser – grenzwertige Entscheidungen, was seine Methodik anbetrifft. Besonders gut hat mir in Bezug auf die Ermittlungsentwicklung gefallen, wie die Dynamik zwischen den zahlreichen Einzelrollen für Erkenntnisse aber auch für neue erschwerende Situationen sorgt.
Wie genau die grauzonigen Interaktionen zwischen Truls Berntsen und den nach der Story geiernden Journalisten hierzu beiträgt oder welche Rolle die wackelige Gesundheitssituation von Harrys Ehefrau Rakel spielen wird, behalte ich mal für mich. Laßt Euch einfach überraschen.

Verlauf

Wie anfangs angedeutet, läßt sich der Stil von Jo Nesbø einfach nur inhalieren. Die Wortwahl ist unkompliziert, der Leser wird durch jeden Satz bzw. die Dialoge gut weitergeleitet. Nichts ist überflüssig, der Text aber auch nicht zu karg. Wir sprechen nicht von einem minimalistischen Stil. Mit einem neueren Begriff könnte man den Stil als userfreundlich bezeichnen, nicht zu einfach. Man erhält bei Nesbø nicht das Gefühl ein Buch für schlichte Gemüter in der Hand zu halten.

Miträtseln ist ebenso gefragt und Nesbø ist ein Meister der gezielten Fehlleitung des Lesers. So waren mir mehrere Charaktere zwischendurch suspekt. Mein Hauptverdächtiger war dennoch am Ende nicht der Täter. Auch nicht die Nummer Zwei auf meiner Liste…

Fazit

Eine würdige Fortsetzung der Harry Hole – Reihe mit neuem Futter gespickt für weitere Teile. Für meinen persönlichen Geschmack ist mir der Titel des Ganzen etwas zu reißerisch und das deutsche Cover nichtssagend, aber das sind schon Spitzfindigkeiten.

Insgesamt kann ich jedem Krimi- oder Thriller-Fan nur empfehlen: Go for it!
Von Liebhabern des Skandinavischen Mordgenres gar nicht zu sprechen… für die ist es ein Muß.

Zum Beispiel hier, auf der Verlagsseite des Ullstein-Verlages. Oder natürlich beim Eurem Lieblingsbuchladen.

Wer von Euch auch bereits „Durst“ rezensiert hat oder darüber eine klare Meinung hat, ist willkommen sich in den Kommentaren auszutoben.

Viel Spaß wünscht
Eure Kasia-Buchstabendrechsler

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