Mittendrin Mittwoch reloaded

Es ist kurz vor Weihnachten, mein Terminkalender sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr und meine arbeitsbedingte Bloggerzwangspause wurmt mich mehr denn je. Da ich aber nebenher sehr wohl einer spannenden Lektüre fröhne, melde ich mich hiermit auch wieder aus der Versenkung.

Juli Zeh ist die Autorin und damit Ihr es wisst – eine meiner absoluten Lieblingsliteratinnen. Ihr gerade erst im Luchterhand Verlag erschienenes Buch „Leere Herzen“ besticht (mich zumindest) mit einem gnadenlosen, messerscharfen Blick auf uns Menschen und unsere Gesellschaft.

Wer-was-wo?

Nehmen wir jedoch einen kleinen Schritt zurück und werfen einen klassischen Blick auf den Inhalt des Werkes und die Protagonisten. Wir befinden uns in einer nicht allzufernen Zukunft in Deutschland. Haupt(anti)heldin ist Britta. Desillusioniert, keine Träume, Mann, Kind und Co-Inhaberin eines blühenden Geschäfts.

Sehr schnell wird klar, dass „Die Brücke“ – so nennt sich das Kleinstunternehmen -ein rechtlich und moralisch fragwürdiges Geschäftsmodell verfolgt. Auf hier nicht näher zu beschreibende Art machen Britta und ihr Geschäftspartner Babak, ein Programmiergenie, Geld mit dem Selbstmord von Menschen. Sie fliegen gern unter dem Radar und müssen sich keine Gedanken mehr um Rechnungen machen.

Bis sie scheinbar Konkurrenz bekommen. Wer ist der vermeintliche Wettbewerber? Geht es nur darum? Oder um mehr?

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Copyright: Tim Marshall via unsplash.com

Setting

Britta lernt in der Szene, die ich Euch im Rahmen des Mittendrin Mittwochs gern zitieren möchte, dass sie auf mehrere Arten beobachtet und verfolgt wurde. Die Szene setzt während einer Landhausbesichtigung mit ihrer Freundin Janina und den beiden Familien ein.
Alle sind gemeinsam rausgefahren aus der Stadt, um das potentielle Kaufobjekt – für Britta eine Bruchbude – zu begutachten und gemeinsam zu picknicken. Auf dem Weg hatten sie bereits ein beklemmendes Erlebnis mit einem sie bedrängenden SUV und dessen geheimnisvollem Fahrer….

Zitat

Janina lehnt auf einem Ellenbogen und wirft dem Haus schwärmerische Blicke zu. Britta weiß genau, was Janina sieht. Einen Ort, an dem die restliche Welt endgültig keine Rolle mehr spielt. An dem man ein Kind großziehen und ein Leben führen kann, das sich zwischen Frühstück im Garten, Mittagspicknick und Grillabend bewegt. Natürlich weiß Britta, dass das eine Lüge ist. Aber sie beneidet Janina um ihre Fähigkeit, daran zu glauben.
Ein weiteres Mal schaut sie nach ihrem Handy. Erst jetzt, da alles wieder aussieht wie immer, der Sperrbildschirm mit Veras lachendem Gesicht, darunter die selten benutzten Buttons für Mails, Messenger, Browser – erst jetzt fährt Britta der Schreck in die Glieder.
Das Telefon fühlt sich plötzlich heiß an in ihrer Hand. Sie springt auf, ruft die Kinder und läuft mit ihnen über die Wiese, zur hinteren Grundstücksgrenze, wo ein kleiner Bach fließt, irgendein winziger Zubringer von Aller oder Oker, selbstvergessen plätschernd unter dem überhängenden Gras. Dort lässt sie mit den Mädchen kleine Schiffe aus Holzstücken schwimmen, so, wie ihre Eltern es einst mit ihr getan haben. Die Mädchen jagen den Schiffen hinterher, und als Britta sicher sein kann, dass niemand guckt, lässt sie ihr Handy ins Wasser fallen. Schon während es sinkt, weiß sie, was sie stattdessen hätte tun sollen. Das Gerät ausschalten, über Nacht im Kühlschrank lagern und so bald wie möglich zu Babak in die Praxis bringen, damit er prüfen kann, ob es einen Zugriff gegeben hat und von wem. In Panik zu geraten und das Telefon zu zerstören ist einfach nur dumm. Das passt nicht zu ihr.
Die Strömung nimmt das Gerät ein Stück mit, dann bleibt es am Grund liegen, silbrig glänzend zwischen den Steinen wie ein toter Fisch. Britta steht auf, um heimlich hinter einen Himbeerbusch zu kotzen.Zitatende.

Mir jedenfalls geht bereits der A… auf Grundeis, wie es mit Britta, Babak und auch der Familie von Britta auf Grund von deren riskanten Geschäften weitergeht.
Ich freue mich schon darauf Euch in meiner Rezension Bericht zu erstatten…

Adventliche Grüße von Eurer

Kasia – Buchstabendrechler

P.S.: Für eine Erläuterung von wem die Aktion des MittendrinMittwochs stammt, schaut doch einfach bei meiner Sammlung vorbei.

Ein Gedanke zu “Mittendrin Mittwoch reloaded

  1. Pingback: Leere Herzen – wieso ich nicht beim Zeh-Bashing mitmache | nichtohnemeinbuch

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