13 Stufen & warum ich mehr auf Werbeklebchen achten werde

Meine Teilnahme an der Weltenbummlerchallenge hat mich auch für dieses Jahr weiter inspiriert auf eine bunte Herkunft meiner Lektüre in Bezug auf Land/Kulturkreis zu achten. Ein guter Grund mich mal an einem japanischen Krimi zu versuchen. Vor allem, wenn dieser von einem augenscheinlich vielbeachteten Autor stammt. Wie es mir mit diesem Länderkrimiexperiment ergangen ist, lest Ihr weiter hier im Beitrag…

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(c) Bild: Ryan Loughlin via unsplash.com

„13 Stufen“ von Kazuaki Takano ist in Deutschland im Penguin Verlag erschienen. Eigentlich hätte es mich schon stutzig machen sollen, wenn auf dem Cover ein Klebchen bappt mit dem Hinweis auf einen angeblich überirdisch erfolgreichen Vorgängerbestseller desselben Autors. Leicht naiv, wie man so im Alltagstrott ist, habe ich dieser Kleinigkeit keine zu hohe Wertung beigemessen. Das Thema laut Klappen- bzw. Rückseitentext hat mich auch eingenommen.

Das Werk verspricht eine Mischung aus Krimi à la Hercule Poirot und einer Erkundung der japanischen Rechtslage zum Thema Todesstrafe. Zumindest Letzteres ist durchaus gelungen. Ersteres dafür so überhaupt nicht.

Die Story

Bevor ich meinem Unmut freien Lauf lasse, noch einige Worte zu den Protagonisten und der eigentlichen Geschichte.

Für einen grausamen Mord zum Tode verurteilt sitzt Kihara verzweifelt im Todestrakt. Und das seit Jahren. Zu allem Unglück erinnert er sich unfallbedingt noch nicht einmal an die Nacht der Tat. Er ist sich jedoch sicher, niemals ein böses Ansinnen gegenüber seinem damaligen Bewährungshelfer gehegt zu haben. Diesen soll er – samt dessen Ehefrau – auf heimtückische Art und Weise mit einer Axt erschlagen haben. Später wurde ihm vorgeworfen, sei er auf der Flucht verunglückt. Daher die Amnesie.

13 Stufen von Kazuaki Takano

13 Stufen von Kazuaki Takano – Originalcover – (c) Penguin Verlag

Auftritt des ehemaligen Gefängnisaufsehers Nangō. Er und der auf Bewährung entlassene Jun’ichi erhalten über einen Mittelsmann den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Jun’ichi steht im Roman immer wieder im Mittelpunkt. Er war als sehr junger Mann mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Der erste Rechtskonflikt aus Teenagerzeiten brachte bei der zweiten unglückseligen Verurteilung nach einem Kneipenstreit mit Todesfolge das juristische System dazu, ihn wegen Todschlages schuldig zu sprechen. Vielmehr noch segelte er haarscharf selbst an einer Mordanklage vorbei.

Die Schuldigsprechung bezüglich des Todschlags in der Kneipe erwies sich als katastrophal. Die gesamte Familie von Jun’ichi segelt in ein soziales Abseits und finanzielle Verschuldung, da Reparationszahlungen fällig werden.

Ein Wort zur Übersetzung

Da das Japanische der deutschen Sprache wohl nicht weiter entfernt sein könnte in Sachen des Satzbaus und der Sprachfiguren, sollte man wohl etwas Nachsicht üben. Nichtsdestotrotz war ich bereits nach wenigen Seiten reichlich angefressen, was die Übersetzung des Werkes anbetrifft.

Eine Übersetzung ist für sich allein ein Kunstwerk, welches dem eigentlichen Original  ebenbürtig ist. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, wie klar mir die Komplexität der Augabe ist. Mein Wunsch für die Zukunft wäre es dennoch, dass das aus einer japanisch-deutschen Übersetzung resultierende Deutsch nicht mehr nach japanischem Satzbau und völlig leblosen, steifen und fremden Bildern klingen möge. Da muss es doch bessere Wege geben, den Gehalt eines Satzes rüberzubringen ohne komplett vom Ursprungssatz abzuweichen.

Im Falle der „13 Stufen“ hat die Übersetzung sehr weit von meinem Wunsch weg gelegen. Die Seiten holperten so vor sich hin. Der Spannungsaufbau holperte mit. Auch ein Gefühl für die Atmosphäre war schwer zu erarbeiten.

Kulturfremde oder Übersetzungsproblem?

Auch die Gefühlslage der meisten Protagonisten – vor allem des vorzeitig entlassenen jungen Jun’ichi blieben mir weitgehend fremd.

Die Begeisterung, mit der er sich weiter in die Dienste des ehemaligen Gefängnisaufsehers stellt, ist mit schleierhaft. Wieso sollte sich ein eindeutig zu unrecht verurteilter Mensch, dessen Familie durch das Urteil einen verheerenden sozialen Niedergang erlebt, weiterhin sich mit Personen aus dem Dunstkreis eines so handelnden Systems umgeben wollen? Seine ständige Unterwürfigkeit ist ausserdem einfach nervig.

Einleuchtender wurde mir die emotionale Lage von Nangō. Dieser sieht die Ermittlungsarbeit und den Versuch Kihara vor dem Galgen zu retten als Wiedergutmachung für seinen sonst sehr bedrückenden Job.

„Interessant“ fand ich die quasi automatisch in die Handlung eingebetteten Beschreibungen, wie das japanische System seine Häftlinge in lagergleichen Zuständen hält bzw. welche Denkansätze im juristischen System gegeneinander antreten. Nämlich der „Besserung durch Reue“-Ansatz vs. den „Abstrafungs“-Ansatz. Die einzelnen Auswüchse, die die Umsetzung in den Gefängnissen annehmen, fand ich dennoch nicht gerade 21-stes Jahrhundert.

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(c) Mitchel Lensink via unsplash.com

Totale Isolation, Kontaktsperren und andere Mittel scheinen hier an der Tagesordnung. Zumindest für die für schwere Verbrechen Verurteilten. Zwischendurch habe ich sogar an der Richtigkeit des Beschriebenen gezweifelt und eine kleine Recherche unternommen. Diese ergab tatsächlich einige kritische Artikel zum Thema: Hier aus der Zeit vor paar Jahren und hier ein neuerer Bericht von amnesty international.

Aus dieser Perspektive fand ich „13 Stufen“ dann wieder gut. Mutig, ein gesellschaftliches Thema in dieser Form einer kritischen Auseinandersetzung zu unterziehen. Takanos Argumentationsketten werden auch nicht einseitig.

Literarisches Fazit

Das literarische Fazit macht dieser gesellschaftspolitische Zugewinn nicht besser. Mit Fortschreiten des Romans – vor allem beim grande finale – kumulieren hahnebüchene emotionale Wendungen und die Auflösung ist so wenig wahrscheinlich, dass ich mit einem Seufzer der Erleichterung die letzte Seite umblätterte.

Schade.

Ach, bevor ich das vergesse: Der mitunter grösste Faux Pas findet sich bereits auf der Buchrückseite bevor man überhaupt nur einen Buchstaben gelesen hat: In der Romanbeschreibung hat der Verlag doch tatsächlich die Namen der Protagonisten verwechselt und die Buchbeschreibung dahingehend falsch abgedruckt… Das war mir in meiner Leserattenkarriere noch nicht passiert…

Mit Lesegruß in die Runde, Eure Kasia-Buchstabendrechsler

 

 

 

Ein Gedanke zu “13 Stufen & warum ich mehr auf Werbeklebchen achten werde

  1. Pingback: Ein fast perfektes Verbrechen | nichtohnemeinbuch

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