Ein Duft aus der Ferne

Buchtitel: Der Geruch von Häusern anderer Leute

Autor: Bonnie-Sue Hitchcock

Ist schon klar, das Buch von Bonnie-Sue Hitchcock ist eigentlich ein Buch für besonders junge Leser – findet sich eigentlich in der Sparte Jugendbuch im Netz wieder. Aber wer sagt denn, dass man bei 30+ nicht trotzdem dem Genre etwas abgewinnen kann und mit Freude darin schmöckert? Ich habe dies zumindest getan.der-geruch-von-husern-anderer-leute

Atmosphäre & Stil

Der Geruch von Häusern anderer Leute“ zaubert mit einem einfachen Stil und unkomplizierter Sprache eine dichte Atmosphäre. Das Buch besteht aus Erzählungen von mehreren Protagonisten. Wir begleiten diese jungen Menschen von Kind an bis in deren Jugend hinein – ohne langwierige, nahezu historische Erzählungen. Es sind eher kurze Einblicke und Ausrisse aus deren Leben. Stets blendet die Geschichte dort ein, wo es für den- oder diejenige besonders prägsam wird. Durch ausgezeichnete Wortwahl steige ich zumindest als Leserin trotz der Kürze gleich in die Wahrnehmung und Emotionswelt des jeweiligen Erzählers ein.

Die Plots des Buchs

Sei es die erste Einleitung, die erläutert wie Ruth mit ihrer Schwester dazu kommt von deren verkrampft religiöser, aber pflichtbewusster Großmutter großgezogen zu werden. Oder sei es die innere Auseinandersetzung von Alyce, die zwischen dem bildungsfernen Vater sowie dessen Leben als Fischer und ihrem eigenen Talent als Tänzerin wählen muss.

Weiter begegnen uns Dora, die bei einer liebevollen Nachbarsfamilie Unterschlupf vor einem prügelndem Vater gefunden hat und drei Ausreißerbrüder.
Die Geschichten der Erzähler verwickeln sich geschickt und so wird man ebenso geschickt in die einzelnen Plots reingezogen ohne die Spannung rund um den vorherigen zu verlieren.
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Zum Fest der Liebe – ein Gastbeitrag voller Buchtipps

Eine ganz tolle Möglichkeit hat mir die Steffi von Saint Iva eröffnet: Mit meinem ersten Gastbeitrag voll mit Buchtipps für die ganze Familie!
Saint Iva – Textloft & Blogazine  – müsst Ihr Euch vorstellen wie eine Stadt gemacht für Familien. Für jedes Familienmitglied findet Ihr im Blogazine Wohlausgewähltes und Aktuelles zu den Rubriken Jobkultur, Reisen, Lesen und Familienleben. Ein ganz besonderes Augenmerk legt Saint Iva bei allen Recherchen und Empfehlungen auf uns Working Moms!
Da Steffi vom Anbeginn der Zeit eine Leseratte ist, passten unsere Vorstellungen von einem Beitrag zu Buchempfehlungen oder Buchgeschenktipps schnell zusammen. Nochmals ein MERCI!
So. Langer Rede, kurzer Sinn: Die Tipps im Gastbeitrag für Eure Geschenkejagd findet Ihr hier:
Fest der Liebe, Fest der Bücher

 

Kindliche Helden

Buchtitel: Das letzte Kind

Autor: John Hart

Was ist das? Worum dreht es sich hier?
Lange lässt John Hart seine Leser im Glauben, dass es sich um eine lange vor sich hingärenden Racheakt eines traumatisierten Kindes/Jugendlichen dreht, was hier produziert wurde. Erst die Perspektivenwechsel zwischen den Erzählern lassen nach und nach Zweifel zu, ob denn der Schein nicht doch trügt.

Plot nochmal in Kürze

Ein 13-jähriger Junge, der als Einziger dasletztekindnach dem tragischen Verschwinden seiner Zwillingsschwester, nicht vollständig zu Bruch geht. Der Vater verschwand von der Bildfläche kurz nach dem geheimnisvollen Unglück und die Mutter ergab sich in eine unheilvolle Drogenabhängigkeit. Nur er bleibt verbissen, wütend und klug „am Ball“. Am Racheball um es genauer zu formulieren. Auf der unaufhörlichen Suche nach der Auflösung des Verschwindens deckt er nach und nach Untiefen und Verbrechen der Kleinstadt auf bis zum Finale.

Seine Erzählperspektive ist hierbei nur eine von mehreren. Die Mutter der beiden Kinder, ein wohlwollender Ermittler und ein geheimnisvoller Fremder seien als andere Beispiele benannt.

Was macht die Spannung aus?

Diese Abwechslung ist ein erfolgreiches stilistisches Mittel, die Spannung in diesem Werk tatsächlich bis zum Unerträglichen hochzutreiben. Die Charaktere sind durch ihre Interaktionen im Buch so gut und überzeugend gezeichnet, dass die Identifikation mit der Wut und der Verzweiflung v.a. des Hauptakteurs nicht ausbleibt.
Spätestens ab dem Punkt legt man es nicht mehr aus der Hand.
Eines der absolut besten Bücher, die uns die letzten drei Jahre in die Finger gefallen sind.

Der Bayer und die Sehnsucht

Buchtitel: Süden
Autor: Friedrich Ani

Ein reizvolles Leitthema füllt diesen Roman: Wie unerfüllte suden_aniSehnsüchte und Lebensentwürfe kollidieren können sowie was diese Kollision für Folgen haben kann. Der Titelheld wird als bayerische Version eines abgehalfterten Paul Temple aufgebaut, dessen ganz persönliche Leidensgeschichte ebenfalls durch unerfüllte Sehnsucht verursacht wurde. Sein Vater entschied sich für ein Leben auf Wanderschaft und verließ die Familie – im jungen Süden Fragezeichen, Vorwürfe und Leere hinterlassend. Wir gesellen uns zum Helden in einem Moment, in dem dieser scheinbar nach mehreren Lebensumbrüchen voller Widersprüche einen Job in einer Detektei antritt. Und wie es das Schicksal will, gleich mit dem Fall eines vor zwei Jahren verschwundenen Wirts und dessen Sehnsucht konfrontiert wird.

Stilistisch durfte ich eine auszughafte Schreibart von Herrn Ani kennenlernen, die durchaus zum Leitthema passt. Mal da, mal nicht da, einiges muß man folgern. Abschliessender Kommentar: Interessant werden das Buch vor allem Münchenfans finden…