Philosoph.Schotte.Killer.

Buchtitel: BILLY
Autor: einzlkind

billy_buchumschlagIch hatte auf Lovelybooks schon vorab geschrieben, dass das Buch während des Lesens ein stetiges auf und ab für mich war, eine gefühlsseitige Odysee und ich hatte sogar den Begriff verwendet, es „habe verschiedene Momente“.
Nachdem nun die Lektüre beendet ist, merke ich, wie es weiter in mir arbeitet und es ist schlicht unwiderstehlich, näher auf diese variierenden Momente einzugehen.

Inhalt

In Ich-Perspektive begleiten wir Billy. Billy, den Auftragsmörder. Er ist auf dem Weg nach Las Vegas, ob für einen weiteren Mord oder für ein Treffen wird erst nach und nach klar. Auf unseren Weg mit Billy erhalten wir vom kargen Klappentext noch den Hinweis, dass bereits 12 Morde erfolgt sind und dass Vagas eine unliebsame Überraschung für unseren Killer bereithalten wird.

Jedoch ist es sehr wichtig für das Verständnis des Buches auf die Details – des Klappentextes und natürlich darüber hinaus der Erzählung selbst – zu achten. Die Beschreibung von Billy ist nicht ohne Grund in genau der Reihenfolge angegeben, wie Ihr sie auch meinem Titel entnehmen könnt. Philosoph. Schotte. Killer. Weiterlesen

Schande

Titel: Schande

Autor: J.M. Coetzee

Nichts für sanfte Gemüter ist dieser Südafrikaroman. Er ist Vereinigung einer (leider  einseitigen) Darstellung der gesellschaftlichen Nachwehen der Apartheid und einer psychologischen Studie eines gnadenlos narzisstischen Uniprofessors. Diesem fliegen zu Beginn des Romans seine Affären mit seinen Studentinnen um die Ohren. wp_20161030_17_27_48_proEr ergreift sprichwörtlich die Flucht, nämlich auf´s Land zu seiner auf einer Farm lebenden Tochter. Mit deren Lebenswandel ist unser Narziss ebenfalls nicht glücklich, braucht aber gleichzeitig dieses Refugium. Die Interaktionen zu den farbigen Pächtern auf der Farm kommen als zweiter Handlungsstrang hinzu. Sie spitzen sich immer weiter in ein Machtungleichgewicht auf Seiten der Pächter zu und münden im gewaltsamen Finale zu dem ich hier aber nichts verraten möchte.

Ob ich das Buch empfehle?

Schwierig. Wie bereits angedeutet finde ich die Darstellung der Südafrikaproblematik leider einseitig. Auf der anderen Seite war es wohl nie die Absicht des Autors eine politisch erschöpfende, faire gesellschaftliche Darstellung zu verfassen. Ich denke er möchte vielmehr eine Sicht der Dinge in einer Geschichte rund um eine persönliche Neuorientierung darstellen. Rein stilistisch enttäuscht der Nobelpreisträger Coetzee nicht, der Spannungsbogen ist gelungen und die Geschichte verfügt über genügend Umbruch, um nicht zu früh zu durchsichtig zu werden. Also würde ich in Summe sagen: Ja, empfehlenswert vor allem für politisch-gesellschaftlich Interessierte mit nicht zu sanftem Inneren.

 

Kindliche Helden

Buchtitel: Das letzte Kind

Autor: John Hart

Was ist das? Worum dreht es sich hier?
Lange lässt John Hart seine Leser im Glauben, dass es sich um eine lange vor sich hingärenden Racheakt eines traumatisierten Kindes/Jugendlichen dreht, was hier produziert wurde. Erst die Perspektivenwechsel zwischen den Erzählern lassen nach und nach Zweifel zu, ob denn der Schein nicht doch trügt.

Plot nochmal in Kürze

Ein 13-jähriger Junge, der als Einziger dasletztekindnach dem tragischen Verschwinden seiner Zwillingsschwester, nicht vollständig zu Bruch geht. Der Vater verschwand von der Bildfläche kurz nach dem geheimnisvollen Unglück und die Mutter ergab sich in eine unheilvolle Drogenabhängigkeit. Nur er bleibt verbissen, wütend und klug „am Ball“. Am Racheball um es genauer zu formulieren. Auf der unaufhörlichen Suche nach der Auflösung des Verschwindens deckt er nach und nach Untiefen und Verbrechen der Kleinstadt auf bis zum Finale.

Seine Erzählperspektive ist hierbei nur eine von mehreren. Die Mutter der beiden Kinder, ein wohlwollender Ermittler und ein geheimnisvoller Fremder seien als andere Beispiele benannt.

Was macht die Spannung aus?

Diese Abwechslung ist ein erfolgreiches stilistisches Mittel, die Spannung in diesem Werk tatsächlich bis zum Unerträglichen hochzutreiben. Die Charaktere sind durch ihre Interaktionen im Buch so gut und überzeugend gezeichnet, dass die Identifikation mit der Wut und der Verzweiflung v.a. des Hauptakteurs nicht ausbleibt.
Spätestens ab dem Punkt legt man es nicht mehr aus der Hand.
Eines der absolut besten Bücher, die uns die letzten drei Jahre in die Finger gefallen sind.