Regeln, soziale Kontrolle vs. Mensch

Spannend sich einen Autor zu erschliessen, über den man weder thematisch noch über Covergestaltung sonst jemals gestolpert wäre.

Das ist eine – kleine – Konsequenz meiner Franzobel-Lektüre. Alles um dieses Erlebnis herum war eine kleine erfreuliche Überraschung. Schon der Hinweis zum Buch war erfreulich, denn ich erhielt ihn von einem lieben Kollegen, dem ich jeden Tag gegenübersitze. Das Thema Lesen ist uns in unseren Unterhalten bislang entschlüpft. Nun, jener Kollege hatte ebenfalls Das Floß der Medusa gelesen und legte mir die Lektüre nahe als ich ihm von meiner Begeisterung über Juli Zeh erzählte. Von diesem Werk – Das Floß der Medusa – möchte ich Euch in diesem Beitrag berichten.

Floss der Medusa

Bildrechte/Coverrechte Zsolnay / Deuticke

 

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Qualitativer Ausreißer mit Unterhaltungswert

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Hörbuchtitel: Der stumme Tod
Autor: Volker Kutscher

Ein Glück stört es die Logik der Reihe um die Figur Gereon Rath nicht, ob man die Reihenfolge der ersten Bände so exakt einhält. Zumindest trifft dies auf den zweiten Band zu. Mit großer Verspätung – ich kenne bereits die nachfolgenden Bände Nummer drei & vier – habe ich „Der stumme Tod“ gehört. Erstaunlicherweise kann ich nicht mit gleichbleibender Begeisterung davon erzählen – verglichen mit den Bänden „Der nasse Fisch“, „Goldstein“ oder „Die Akte Vaterland“.

Inhalt

Gereon, unser grummelig-sympathischer Kommisar, hat es nach seinem Zuzug nach Berlin und dem ersten Abenteuer geschafft seine große Liebe zu vergraulen. Zudem wird er in diesem Band auf Grund der Abwesenheit des Kriminalrats Gennath (oberster Chef der damaligen Kriminalpolizei) von einem Antipathen befehligt und erhält unliebsame Fälle. An dieser Stelle holen wir ihn ab. Genauer gesagt in dem Moment, in dem er zu einem vermeintlichen Unfallort gerufen wird. Es ist ein Drehort. Die gefeierte Schauspielerin Betty Winter ist bei Dreharbeiten zu einem Tonfilm von einem Scheinwerfer erschlagen worden. Doch Gereon Rath entdeckt Indizien, die auf Mord hindeuten. Und dann wird eine zweite Schauspielerin tot aufgefunden – mit fehlenden Stimmbändern …

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Lesung „Lunapark“ – wie damals so heute?

9783462049237_5Wenn das so weiter geht, werden wir noch Stammgäste im Prater in Berlin. Binnen zwei Wochen war es gestern – 16.12. – schon die zweite Lesung, bei der wir dort zu Gast waren. Diesmal war es der Krimiautor Volker Kutscher, den wir unbedingt live sehen wollten.
Die Lesung drehte sich um seinen neuen Gereon Rath-Krimi „Lunapark“. Die Reihe um Gereon Rath (erschienen bei Kiepenheuer & Witsch) stelle ich an dieser Stelle nicht in aller Ausführlichkeit vor, aber ein kurzer Abriss muss natürlich sein :-).

Einführung in Gereons Welt

Den Einstieg in die Welt der Volker Kutscher Reihe finden wir im Jahr 1929. Den gebürtigen Kölner Kriminalkommissar Gereon Rath hat es unfreiwillig an die Spree verschlagen. Über die Vorfälle in seiner Heimatstadt redet er ungern. Wir erfahren jedoch, dass er einen Menschen getötet hat und dies verfolgt ihn bis in seine Träume.
Der Kriminalkommissar fremdelt anfangs mit der kühlen und hektischen Hauptstadt Berlin und ist gleichzeitig fasziniert von ihr. Im Verlauf der ersten Fälle (Bücher) lebt er sich ein, findet Mitstreiter, Dauerfeinde aber auch die Liebe. Im Polizeipräsidium am Alex, von den dort arbeitenden Beamten einfach die Burg genannt, arbeitet Rath in der Inspektion A, der damals legendären Mordabteilung.

9783462040227_5Bereits im ersten Teil „Der nasse Fisch“ lernt man Rath als grummeligen, sich selbst treuen und zu allem entschlossenen Kommissar kennen. Einzelgänger würde ich ihn nicht gleich schimpfen, denn das ist er nicht. Aber es ist nicht leicht an ihn ranzukommen, sein Mundwerk hat sich gewaschen und er ist wählerisch in Bezug auf seine Mitstreiter.
Der erste Fall dreht sich übrigens um eine Leiche im Landwehrkanal, die Spuren bestialischer Folterung trägt. Die Mordkommission soll schnellstmöglich Ergebnisse liefern, doch sie kommt nicht voran. Ungefragt schaltet Rath sich ein und ermittelt auf eigene Faust. Er entdeckt eine Verbindung zu einem Kreis oppositioneller Exilrussen, die mit geschmuggeltem Gold Waffen kaufen wollen, um einen Putsch vorzubereiten.

Dies aber nur als Teaser, um Dir – liebe Leseratte – Lust auf die ganze Reihe von Beginn an zu machen.
Danach folgten noch weitere vier Romane und nun schließlich als sechstes Werk: „Lunapark“.

Inhalte „Lunapark

Berlin hat mittlerweile Hitlers Machtergreifung hinter sich und wir sind zeitlich bei Mai 1934 angelangt. Die anfängliche Begeisterung für die Regierung Hitler schwindet und die unberechenbare, gern pöbelnde SA macht vielen Menschen Angst. Unter einer Eisenbahnbrücke, unter einer unvollendeten kommunistischen Parole, liegt ein toter SA-Mann. Zunächst scheinbar erschlagen, ist dieser aber tatsächlich an einem Glasauge erstickt.
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