Politik und Drama in Afrika

Literatur on screen!
Daumen hoch für „Der ewige Gärtner“ von Großmeister John le Carré.
Regie: Thomas Alfredson & Fernando Meirellesderewigegaertner

Der Plot reloaded: Mitten in der Wüste von Kenia wird die junge schöne Tessa Quayle ermordet aufgefunden. Ihr Begleiter und angeblicher Geliebter, der afrikanische Arzt Arnold Bluhm, ist spurlos verschwunden. Tessas Ehemann, ein aufstrebender Diplomat bei der britischen Botschaft in Nairobi, macht sich auf die Suche nach dem Mörder seiner Frau. Bald erkennt er, dass die rebellische Tessa einem Komplott auf der Spur war und damit nicht nur die mächtige Pharmaindustrie und eine obskure afrikanische Hilfsorganisation gegen sich aufbrachte, sondern auch den Unmut höherer britischer Regierungskreise auf sich zog. Verfolgt und auf sich allein gestellt, dringt Justin immer tiefer in den Sumpf einer groß angelegten Verschwörung ein.

Spannung von der ersten bis zur letzten Minute.

Mehrfach gelesen, mehrfach gesehen

Literatur on screen!
Daumen hoch für „Der englische Patient“ von Michael Ondaatje
Regie: Anthony Minghelladerenglischepatient_reclam_dvd-d-1_215

Liebesgeschichten kann man so verschieden erzählen. Kaum eine ist so sensibel und doch tiefdramatisch geschrieben und verfilmt worden wie „Der englische Patient“.

Um meiner Empfehlung noch etwas Drama an sich zu verleihen: Ich habe den Film drei Mal gesehen und das Buch sowohl auf Deutsch als auch auf Polnisch jeweils gelesen. SIC!

Erinnern wir uns schnell noch an den Plot: Italien während des Zweiten Weltkriegs: In einem verlassenen Kloster pflegt die Schwester Hana den ungarischen Grafen Almásy, der mit seinem Flugzeug von den Nazis abgeschossen wurde und bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist. Ganz allmählich beginnt sich Almásy an seine tragische Romanze mit der verheirateten Katharine zu erinnern.

Viel Spaß und Taschentücher nicht vergessen!

Kindliche Helden

Buchtitel: Das letzte Kind

Autor: John Hart

Was ist das? Worum dreht es sich hier?
Lange lässt John Hart seine Leser im Glauben, dass es sich um eine lange vor sich hingärenden Racheakt eines traumatisierten Kindes/Jugendlichen dreht, was hier produziert wurde. Erst die Perspektivenwechsel zwischen den Erzählern lassen nach und nach Zweifel zu, ob denn der Schein nicht doch trügt.

Plot nochmal in Kürze

Ein 13-jähriger Junge, der als Einziger dasletztekindnach dem tragischen Verschwinden seiner Zwillingsschwester, nicht vollständig zu Bruch geht. Der Vater verschwand von der Bildfläche kurz nach dem geheimnisvollen Unglück und die Mutter ergab sich in eine unheilvolle Drogenabhängigkeit. Nur er bleibt verbissen, wütend und klug „am Ball“. Am Racheball um es genauer zu formulieren. Auf der unaufhörlichen Suche nach der Auflösung des Verschwindens deckt er nach und nach Untiefen und Verbrechen der Kleinstadt auf bis zum Finale.

Seine Erzählperspektive ist hierbei nur eine von mehreren. Die Mutter der beiden Kinder, ein wohlwollender Ermittler und ein geheimnisvoller Fremder seien als andere Beispiele benannt.

Was macht die Spannung aus?

Diese Abwechslung ist ein erfolgreiches stilistisches Mittel, die Spannung in diesem Werk tatsächlich bis zum Unerträglichen hochzutreiben. Die Charaktere sind durch ihre Interaktionen im Buch so gut und überzeugend gezeichnet, dass die Identifikation mit der Wut und der Verzweiflung v.a. des Hauptakteurs nicht ausbleibt.
Spätestens ab dem Punkt legt man es nicht mehr aus der Hand.
Eines der absolut besten Bücher, die uns die letzten drei Jahre in die Finger gefallen sind.

Trau ich mich?

Buchtitel: Die amerikanische Nacht

Autor: Marisha Pessl

Seit Zafons Meisterwerken hat kein Mysterythriller für eine solche Atemlosigkeit gesorgt wie das neue Buch von Marisha die-amerikanische-nachtPessl. Im Zentrum stehen die Geheimnisse rund um das Schaffen und Werk des kulthaften Filmregisseur Stanislas Cordova. Der ich-erzählende Journalist Scott McGrath lässt von Beginn an tief blicken, indem er uns an seinem ersten Scheitern teilhaben lässt: Auf der Suche nach einem neuen Reportagethema stolpert er durch eine falsche Information über Cordova und wird prompt durch denselben wegen unlauterem Geschäftsgebahren verklagt. Er verliert auf ganzer Linie.

Die Geschichte ereilt ihn erst wieder an der Stelle, an der Cordovas Tochter – Ashley – nach einem scheinbaren Selbstmord tot aufgefunden wird. Durch diese Neuentwicklung aufgescheucht, nimmt McGrath seine Recherche rund um das Mysterium Cordova wieder auf. Er wird u.A. durch Ashleys ungewöhnliche Hinterlassenschaften (wer hebt denn ein altes Kuscheltier eines Toten auf und versendet es dann an einen alten Bekannten?) auf die Spur von Cordovas nahezu menschenverachtender Arbeitsweise gebracht. Bald keimt der Verdacht, dass es sich um okkulte und illegale Praktiken handelt.

Getrieben durch seinen Rachedurst lässt er sich, zusammen mit zwei Mitstreitern, ebenfalls auf immer grenzwertigere Recherchemittel ein.

Den außergewöhnlichen Sog der Geschichte machen nicht nur die spannenden Details rund um die Mitstreiter und Nebendarsteller aus, sondern auch die erschütternden Untiefen, die dem Leser aus dem Leben und Werk von Cordova erschlossen werden. Sehr bald wissen weder die Protagonisten selbst noch der Leser was Wirklichkeit ist und was Konstrukt von abschweifender Phantasie. In Summe also ein Buch, das man besser im Urlaub lesen sollte, denn ein Weglegen kommt nicht in Frage!

Kreuzfahrt zum Abgewöhnen

Titel: Passagier 23

Autor: Sebastian Fitzek

Inhalt: Das Buch präsentiert sich als ein all-inclusive Psychothriller: Action, überraschende Wendungen, Nahtoderlebnisse des Superhelden, gruselige Abgründe menschlicher Seelen, Folter, Verschwörung und vieles vieles mehr zwischen den Buchdeckeln. Das kann als Parallele zum Hauptthema Kreuzfahrten durchaus als angemessen verstanden werden. Um den Haupthelden – dem verdeckten Ermittler Martin Schwartz – werden im Stakkato Action- und Gruselszenen aneinander gereiht. Unermüdlich deckt er trotz hartnäckiger Widersacher Stück für Stück die Wahrheit auf – auch die über seine Frau und seine Unzulänglichkeiten seinem Sohn gegenüber. Geschwindigkeit, Spannung und Grusel können nach den ersten Seiten des Buches leider nicht mehr gesteigert werden – was schnell langweilig wird, da beim Umblättern ja schon klar ist, dass die nächste packende Überraschung kommt. Die Entwicklung der Figuren bleibt dabei auf der Strecke – als Leser fühlte ich mich dadurch bis ans Ende des Buches seltsam außen vor. Insgesamt kam mir das Buch wie eine extra lange Ausgabe einer Sensationszeitung vor – unglaubliche Fakten, die in der Erinnerung sehr schnell verblassen.

Fazit: Wer oberflächliche Action mag, dem sei das Buch empfohlen. Lesevergnügen, im Sinne von ins-Buch-hineingezogen-werden, leider Fehlanzeige.