Es ist ein Mörder auf dem Schiff…

…aber niemand glaubt dir.
So lautet der Teasertitel unter dem eigentlichen Titel des Buches „Woman in cabin 10„. Ich habe mich ködern lassen und möchte das Ergebnis gern mit Euch teilen. Hier geht es zu meiner Rezension von Ruth Wares zweitem Thriller =>>>

(c) Cover dtv Verlag

Was hatte ich eigentlich erwartet?
Und was genau hatte mich geködert?

Ich glaube es war der Wunsch nach einer leichten Lektüre. Etwas literarischer Blockbuster sollte es sein und da sprang mich schon der englischsprachige Titel an. Zusammen mit dem Untertitel ging bereits mein Kopfkino los. Ich stellte mir die Heldin auf einem Kreuzfahrtschiff vor. Wie sie einen tatsächlichen Mord beobachtet und dann gegen alle Widerstände an Bord anläuft, denn wie schon der Untertitel sagt – keiner glaubt ihr. Das sprach meine innere Rebellin und meinen Gerechtigkeitssinn sofort an.

Beim Lesen fand ich jedoch eine bis zur Unglaubwürdigkeit neurotische Hauptperson vor – Laura Blacklock, genannt Lo. Die Nachwuchsjournalistin rutscht durch einen glücklichen Zufall auf die Gästeliste einer exklusiven Kreuzfahrt eines britischen Milliardärs. Die Kreuzfahrt soll in den hohen Norden zur Aurora borealis gehen.

Aurora borealis – via unsplash.com/Nikolov

Bevor die Kreuzfahrthandlung einsetzt, lernen wir unsere Heldin kennen, indem in ihrer eigenen Souterrainwohnung eingebrochen wird. Über diese litararische Brücke wird im Verlauf der Geschichte Lauras/Los starke Involvierung in die Vorgänge auf der Kreuzfahrt begründet. Ferner gibt es dem Leser die Gelegenheit etwas in ihrer Vergangenheit und Persönlichkeit zu „wühlen“. Ich habe Lo nicht nur einfach als leicht gebeutelte Frau nach einem unschönen Ereignis kennengelernt. Vielmehr zeigte sich mir – Interaktion für Interaktion – eine stark labile Frau, die nicht nur ein paar sympathische Absonderlichkeiten an den Tag legt. Vielmehr ist Lo grundsätzlich psychisch auffällig, passiv-aggressiv und gleichzeitig kindlich hilflos. Darüber hinaus kompensiert Lo ihre Eigenheiten über die erste Hälfte des Buches mit massivem, pubertärem Alkoholkonsum, was ab einem gewissen Punkt geradezu nervig wird. Von Heldin könnte man da nicht weiter entfernt sein.

Genug gelästert – los geht es mit der eigentlichen Kreuzfahrt

Luxus mit mörderischem Beigeschmack? Bild via unsplash.com/reynier

Diese Jungfernfahrt steht nur einem ausgewählten Publikum zur Verfügung. Vor allem andere Journalisten, Fotografen und einige VIPs. Was Lo erwartet ist im wahrsten Sinne des Wortes exklusiv. Das Schiff ist nicht gerade ein AIDA-Monster, sondern deutlich kleiner und von der Ausstattung – wenn auch unglaublich teuer – so doch eher heimelich. Das Schiff beherbergt gerade 12 Kabinen für insgesamt circa 20 Gäste. Wundersame Geheimtüren und Bedienstetengänge erinnern an ein Gruselschloss auf See. Lauras Kennenlernabend mit ihren Mitreisenden hat mir beim Lesen durchaus Spaß gemacht. Die Vorstellung der einzelnen Personen ist so stark Agatha Christie-mäßig, dass man nur schmunzeln kann. In ihrem persönlichen Chaos versinkend, läuft Lo einer jungen Frau in der Nachbarkabine „über den Weg“.

Aus unruhigem Schlaf aufschreckend hört Lo aus eben dieser Nachbarkabine nachts Poltern und dann ein Platschen eines größeren „Gegenstandes“ der über Bord geht. Sie rennt auf die Veranda, um einen kaum erkennbaren Körper in den Wellen verschwinden zu sehen. Panisch läutet sie Alarm, aber laut der Security ist die Nachbarskabine nicht gebucht und angeblich die ganze Zeit leer…

Die Schlinge zieht sich zu

Lo beweist ab diesem Punkt im Buch durchaus journalistischen Biss und Spürsinn. Sie gibt nicht auf, sondern geht nach und nach die einzelnen Akteure durch. Nicht ohne unliebsame Aufemerksamkeit auf sich selbst zu ziehen und damit einhergehend unmissverständliche Drohungen. Positiv anzumerken bleibt, dass Ruth Ware es schafft jeden Einzelen ganz lange verdächtig zu halten. Warum Lo dermaßen verbissen trotz Gefahr für Leib und Leben an der vagen Vermutung eines Mordes dran bleibt, empfand ich selbst nicht als überzeugend. Das war schade.
Da ich größere Spoiler meiden möchte, lasse ich den weiteren Verlauf im Dunkeln.

Stilistisches

Die einzelnen Buchteile werden durch kleine Exkurse aus Chat-Inhalten oder Minibeiträgen aus Onlinemedien aufgelockert. Die Information die Lo mangels Internetverbindung oder Telefon nicht erhält wird so dem Leser zur Verfügung gestellt. Er/Sie ist derjenige, der weiß, wie sich die Familie um Lo sorgt. Aber er/sie erhält auch den „Teaser“, dass eine Leiche an der Küste eines der nordischen Länder gefunden wurde. Es hat mir gefallen, wie einzelne Brocken zumindest etwas mehr Geheimnis in die Geschichte einstreuten. Z.B. wird die Leiche nicht klar identifiziert und die Daten des Fundes/der Infos variieren. So bleibt ein Fragezeichen, wessen Leiche das tatsächlich ist.

Ansonsten ist der Schreibstil wie erwartet und auch erhofft sehr schlicht und die 382 Seiten lassen sich gut „inhalieren“. Also wie erwartet eine Lektüre für das Strandhandtuch. Besser nicht für die Kreuzfahrt 😉

Was sagen andere?

Meike von I´m just a little girl vergibt deutlich positivere Wertungen. Niklas von Niklas-Leseblog, sah es scheinbar ähnlich wie ich und zog einige Glaubwürdigkeitspünktchen ab…hier ist seine Rezension für alle von Euch, die gern noch weiter vergleichen…

Verlinkungen zu Verlag und Autorin

Das Buch ist im dtv Verlag erschienen. Von Ruth Ware sind bereits zu haben „Im dunklen dunklen Wald“ als auch „Wie tief ist Deine Schuld“ – ebenfalls bei dtv. Die Links sind übrigens keine Affilate-Links und ich habe mein Exemplar selbst erstanden 😉

Lesereise

Ruth Ware ist übrigens im März 2019 auf Lesereise. Checkt mal hier.

Ich freue mich, falls Ihr Eure eigenen Rezensionen oder Ansichten zum Buch in den Kommentaren hinterlassen mögt und schicke liebe Grüße in die Runde

Kasia Buchstabendrechsler

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