Wie ich einen neuen Helden fand

August Emmerich klingt nicht gerade gleich nach Superhero.

Ist er aber. Zumindest für mich nach der Lektüre des ersten Bandes einer sich toll ankündigenden Kriminalromanreihe von Alex Beer: „Der zweite Reiter“.

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Seit Ende März 2017 im Limes Verlag erschienen nimmt dieser Krimi uns mit nach Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Emmerich – mal wieder von der knurrend-murrenden Ermittlersorte mit großem Gerechtigkeitssinn – hat im Ersten Weltkrieg gedient und ist nun mit Leib und Seele Polizeiagent in einer Abteilung die Betrüger und Schwarzmarkthändler jagt. Er liebäugelt jedoch mit der Abteilung „Leib und Leben“, die die Morddelikte bearbeitet. Aus Ehrgeiz? Arroganz? Nun, nicht ganz. Ein starker Motivationsfaktor für Emmerich ist die alle und alles erdrückende Armut im Nachkriegswien und seine neu gefundene Partnerschaft (mit Kindern), die er durch erhöhte Zulagen bei „Leib und Leben“ durchzubringen trachtet.

Starke Atmosphäre

So wären wir auch schnell bei einer ganz großen Stärke dieses Romans: Die quasi nebenher toll dargestellten gesellschaftlichen und politischen Probleme der damaligen Zeit. Immer wieder schmückt die Autorin seine Kernhandlung mit echten – toll recherchierte – Details der Nachkriegsstadt aus. Das Hungern, die Verzweifelten, die Alkohol- und Drogenprobleme, die Auswanderer mit ihren Fluchtansinnen, aber auch einzelne Orte, legendäre Schlösser und Cafés… alles bereichert die Atmosphäre dieses Buches mit Erfolg. Weiterlesen

Born to run – Blick ins Extreme

Das höchste der Gefühle ist es, mehrere Leidenschaften zu verbinden. So ging es mir als ich anfing „Born to run – zum Laufen geboren“ von Ulfilas Meyer zu lesen. Ulfilas ist von Beruf Psychologe, Gestalttherapeut sowie Laufcoach und wagt einen Blick in die Gedankenwelt eines Extremläufers.

 

Born to run

Mit Extremläufer ist ein Mensch gemeint, der nicht einfach auf Marathons spezialisiert ist. No, sir. Hier sprechen wir von einem Wesen, das den Willen und körperliche Fitness aufgebracht hat, Läufe von 5.000 km zu bewältigen. Und das sozusagen AM STÜCK.

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Wie man aus seinem Schicksal ausbricht

…dies zeigte mir gerade erst das wundervolle Hörbuch „Gebete für die Vermissten“ von der Autorin Jennifer Clement. Gebete fuer die Vermissten von Jennifer Clement

Das bedrohliche Schicksal

Die Heldin dieses kleinen Juwels ist das Mädchen Ladydi. Ladydi wächst in einem mexikanischen Gebirge, in relativer Nähe zu Acapulco aber dennoch inmitten von Mais- und Mohnfeldern auf. Das Besondere an diesen Bergdörfern ist – es gibt keine Männer. Weiterlesen

Ein Flop über das Versagen

„Fließsand“ von Steve Toltz hatte ich mir auf dem Bloggerportal von Random House vor allem auf Grund des Klappentextes ausgesucht. Die Geschichte einer Freundschaft, die sich rund um die tragischen Versagen des einen sowie des anderen Hauptcharakters dreht, könnte unterhaltsam und subtil philosphisch sein. Dachte ich.

Mein Fazit nach 100 Seiten ist: Es ist weder das Eine noch das Andere.

Wenn Ihr erfahren wollt, wieso meine Meinung so ausgefallen ist, lest getrost weiter…

Fliesssand oder Eine todsichere Anleitung zum Scheitern von Steve Toltz

Originalcover- Rechte DVA

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Gib mir mehr

In meiner MittendrinMittwoch Aktion hatte ich Euch ja bereits zwischen die Seiten von „Pandora im Kongo“ von von Albert Sánchez Piñol mitgenommen.
Dieser kleine Teaser mit seiner hervorragenden sprachlichen Varianz und der Situation zum Schmunzeln baute sich schnell zu einem spannungs- und wendungsreichen Roman aus, den ich bei sprichwörtlich jeder Gelegenheit aufgeschlagen habe.Pandora im KongoWas glaubt Ihr wohl, warum ich zuletzt vom Lesen und den Lesern in der U-Bahn und dem öffentlichen Verkehr geschrieben habe? Gemessen an den verschiedenen Lesegelegenheiten, die ich zwecks Weiterkommen für dieses Werk ersonnen habe, müsste ich noch Artikel über Badewannen, Klobesuche, weggeschickte Kinder und Ehemänner verfassen. Heute nehme ich mir endlich die Zeit und erzähle Euch etwas mehr über Thomas Thomson und sein literarisches Abenteuer im Kongo. Weiterlesen

Schneckenkönig – ein Erfolg auf ganzer Linie

Nach dem gestrigen Wutausbruch über ein wenig gelungenes Debüt möchte ich heute wieder in Engelszungen zu Euch sprechen über ein fantastisches – wenn auch nicht wirklich neues – Krimidebüt. Die Rede ist vom „Schneckenkönig“ von Rainer Wittkamp.

Schneckenkönig

Originalcover; Rechte: grafit Verlag

Ankündigung

Auf der Buchrückseite wir ein spleeniger Kommissar angekündigt. Einer den ein unüberlegter Angriff auf einen Kollegen in das dienstliche Exil verschlagen hat. Nämlich in die „Versorgung“. Die Abteilung für Büromaterial ist gemeint. Als Personalmangel die Leitung der Mordabteilung im Fall eines erstochenen Ghanaers dazu treibt ihn aus dem Exil zu holen, ergreift Martin Nettelbeck – der eben beschriebene – die Chance! Weiterlesen