In der Haut von Deutschneulingen

Es hat ewig gedauert bis ich nach „Zwischenreise“ von Bernd Mittenzwei gegriffen habe. Mitgenommen hatte ich es auf der letzten BuchBerlin  – und die nächste ist schon vor der Tür!

Bei „Zwischenreise“ handelt es sich um einen Roman in Einfacher Sprache. Zumeist werden diese Bücher für Menschen geschrieben, die erst im Erwachsenenalter Deutsch lernen – sprich Migranten – oder auch Menschen mit einer individuell gearteten starken Lesebeeinträchtigung. Nach einem kurzen Gespräch am Stand der Buchmesse fand ich den Ansatz Erwachsenenliteratur mit einer tatsächlichen inhaltsreichen Geschichte an u.a. Migranten anzubieten einfach eine Maßnahme auf Augenhöhe. Durch die Produktion einer vernünftigen Spannungskurve und tatsächlichen inhaltlichen Nachricht an den Leser – nur eben in schlichter Wortwahl – kann tatsächlich zum Lesen in der neuen bzw. unvertrauten Sprache animiert werden. Dies wollte ich selbst erspüren, die Wortwahl kennenlernen und eine Idee für eine Geschichte, die auch in einfachen Worten wirkt, ausprobieren.

Zwischenreise

Cover Zwischenreise – edition naundob

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Psycho ohne Punkt und Komma

Gefreut habe ich mich über das Mitbringsel meiner besseren Hälfte von seinem Ausflug nach Bristol – UK. „The Favourite“ von S.V. Berlin war eine schöne Gelegenheit seit langer Zeit auf Englisch zu lesen. Schliesslich mag frau auch nicht einrosten. In Sachen Cover hat mein Liebster schön gewählt, Thematik schien durchaus was für mich: Nach dem unerwarteten Tod der Mutter kommen seit Jahrzehnten entzweite Geschwister zwecks Hausräumung zusammen, um dann auf ungeklärte Geheimnisse zu stoßen und auf die Chance auf Aussprache.

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Angesprochen durch die Buchbeschreibung als „elegantes Werk über die Natur der Trauer“ fing ich an zu lesen.  Weiterlesen

Auferstanden aus Ruinen

Ganz so dramatisch wie mein Titel fühlt sich mein erster Artikel nach der langen Umzugsauszeit auch wieder nicht an. Wer mich kennt weiß jedoch, dass eine Prise Pathos stets dabei ist.

Trotz des Schweigens hat sich literarisch meine Welt weiter gedreht. Nach dem Trip nach Österreich, siehe meine Rezension von „Der zweite Reiter“, ließ ich mich nach Übersee verfrachten. Herr Abir Mukherjee war hierbei mein Zeit- und Abenteuerreiseführer mit seinem Krimireihenauftakt „Ein angesehener Mann“.

Ein angesehener Mann von Abir Mukherjee

Cover „Ein angesehener Mann“ Rechte: HEYNE Verlag

Wohin geht die Reise?

Sie nahm mich mit in das Kalkutta von 1919 und stellte mich erneut einem ziemlich abgewrackten – wenn auch hochintelligenten und unerschrockenen – Ermittler vor. Sam Wyndham kehrt aus dem ersten Weltkrieg ins Nichts wieder, nachdem alle engeren Freunde im Krieg gefallen sind und seine geliebte Frau in seiner Abwesenheit einer Krankheit erlag.
Opiumsüchtig wie er ist – um Trauer sowie Einsamkeit zu betäuben – ergreift er die Chance als ihn ein ehemaliger Vorgesetzter in die Polizeitruppe nach Kolonialindien ruft. Er betritt die Welt einer Herrscherklasse, die voll ist von vorgeschobenem Gutmenschentum und egozentrischer Ausbeutung der einheimischen Strukturen.

Es wird ihm keine Zeit zur Assimilierung an diese für ihn wildfremde Welt gelassen. Nur wenige Wochen nach Dienstantritt wird ein hochrangiger Staatsbeamter brutal erstochen im Rotlichtviertel von Kalkutta aufgefunden. Ein am Tatort plump hinterlassener Zettel weist auf politisch motivierte Täter hin, die der englischen Herrschaft in Indien überdrüssig sind.

Glücklicherweise lässt sich Sam nicht von derart primitiv vorgeschobenen „Beweisen“ von anderen weitaus interessanteren Spuren ablenken. Weiterlesen

Lasset die Lieblinge zu Wort kommen

So schnörkellos schreibe ich heute… kein canva-gestyltes Bild, kein Logo… nun – so ein Umzug fordert seinen Tribut. Dieser lautet: Kein Internet, keine Bildbearbeitung am Rechner, keine längeren Beiträge.

Daher funke ich mein Lebenszeichen heute an Euch aus einem Internetcafé im schönen Berlin-Schöneberg und habe natürlich ein kleines Nachweisbild sowie ein Zitat von einer meiner „Autorinnen“-Vorbildern mitgebracht:

„Nicht einmal die Wahrheit höchstpersönlich ist so überzeugend wie ein gut zementiertes Vorurteil.“
Juli Zeh

Zu dem Thema Pro & Kontra des Schubladendenkens bzw. der Vor- und Nachteile von Stereotypen hatte ich mich im pflegerischen Kontext übrigens schon mal länger ausgelassen, nämlich auf meinem pflegepsychologisch-Blog. Nur so, zum Schmökern 😉

So. Und nun noch der Nachweis meines temporären „Arbeitsplatzes“ inklusive der aktuellen Lektüre von Abir Mukherjee „Ein angesehener Mann„:

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Abir Mukherjee nimmt mich mit in das Kalkutta von 1919… trotz Internetcafé-Arbeitsplatz…Erschienen im HEYNE Verlag

Abirs Webpräsenz – für englischsprachige Leser – konnte ich eben freudig schon die Ankündigung des Nachfolgeromans entnehmen. Hooray! Der Auftakt liest sich nämlich auch wirklich gut. Opiumsüchtiger ex-Scotland Yard Agent und Kriegsveteran löst politisch angehauchten Mordfall in den Dünsten von Kolonialindien….

 

Wie ich einen neuen Helden fand

August Emmerich klingt nicht gerade gleich nach Superhero.

Ist er aber. Zumindest für mich nach der Lektüre des ersten Bandes einer sich toll ankündigenden Kriminalromanreihe von Alex Beer: „Der zweite Reiter“.

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Seit Ende März 2017 im Limes Verlag erschienen nimmt dieser Krimi uns mit nach Wien, kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs.

Emmerich – mal wieder von der knurrend-murrenden Ermittlersorte mit großem Gerechtigkeitssinn – hat im Ersten Weltkrieg gedient und ist nun mit Leib und Seele Polizeiagent in einer Abteilung die Betrüger und Schwarzmarkthändler jagt. Er liebäugelt jedoch mit der Abteilung „Leib und Leben“, die die Morddelikte bearbeitet. Aus Ehrgeiz? Arroganz? Nun, nicht ganz. Ein starker Motivationsfaktor für Emmerich ist die alle und alles erdrückende Armut im Nachkriegswien und seine neu gefundene Partnerschaft (mit Kindern), die er durch erhöhte Zulagen bei „Leib und Leben“ durchzubringen trachtet.

Starke Atmosphäre

So wären wir auch schnell bei einer ganz großen Stärke dieses Romans: Die quasi nebenher toll dargestellten gesellschaftlichen und politischen Probleme der damaligen Zeit. Immer wieder schmückt die Autorin seine Kernhandlung mit echten – toll recherchierte – Details der Nachkriegsstadt aus. Das Hungern, die Verzweifelten, die Alkohol- und Drogenprobleme, die Auswanderer mit ihren Fluchtansinnen, aber auch einzelne Orte, legendäre Schlösser und Cafés… alles bereichert die Atmosphäre dieses Buches mit Erfolg. Weiterlesen

Born to run – Blick ins Extreme

Das höchste der Gefühle ist es, mehrere Leidenschaften zu verbinden. So ging es mir als ich anfing „Born to run – zum Laufen geboren“ von Ulfilas Meyer zu lesen. Ulfilas ist von Beruf Psychologe, Gestalttherapeut sowie Laufcoach und wagt einen Blick in die Gedankenwelt eines Extremläufers.

 

Born to run

Mit Extremläufer ist ein Mensch gemeint, der nicht einfach auf Marathons spezialisiert ist. No, sir. Hier sprechen wir von einem Wesen, das den Willen und körperliche Fitness aufgebracht hat, Läufe von 5.000 km zu bewältigen. Und das sozusagen AM STÜCK.

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